Die Auflösung

Die Mühlendammschleuse und was von ihr übrig blieb

Mehr als ein Jahrzehnt lang war der weitere Umgang mit der sanierungsbedürftigen Mühlendammschleuse ein wichtiges Thema in Rostock, in der Kommunal- und auch in der Landespolitik. Mit Blick auf die mit einer Sanierung und dem Betrieb verbundenen Kosten wurde das Bauwerk zugeschüttet. Der Verein Mühlendammschleuse e.V., der sich für den Erhalt der Schleuse eingesetzt hatte, wurde jetzt aufgelöst. Vereinsvorsitzender Detlef Krause zieht eine Bilanz.

„Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Dieses Zitat von Bertolt Brecht ist kennzeichnend für den jahrelangen Kampf um den Erhalt der Schleuse, der am 2. Juli 2015 begann. Nüchtern und realistisch betrachtet könnte man diesen Kampf als verloren bezeichnen, denn eine Schleuse gibt es nicht mehr: Sie ist unter Sand und Erde halb begraben. Dort wo bis 2011 ein mehr oder weniger reger Schiffsverkehr, vor allem mit Sportbooten und Anglern, zu sehen war, gibt es nun einen Erdhügel, über den kräftige Menschen ihre kleinen Paddelboote oder Kanus zu Fuß rüber tragen können.

Eigentlich ist sie noch vorhanden – die Schleuse mit ihrem Schleusenbecken. Sie wurde
ja nicht zerstört, sondern (wie es im Sprachgebrauch der Denkmalpflege bezeichnet
wird) „konserviert“. Die Schleuse könnte jederzeit wieder freigelegt, saniert und betrieben werden. Aber das sind wohl Träume und Wünsche aus einer anderen Welt.

Im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre jedoch fühlen wir uns aber nicht als Verlierer, denn wir haben es geschafft, die Schleuse in der Stadt, im Land und beim Bund jahrelang in den Mittelpunkt zu stellen und allen Menschen verdeutlicht, welche Bedeutung dieses fast 140 Jahre alt Bauwerk für Rostock hatte. In diesen Jahren, die im zeitweise auch eine Achterbahnfahrt der Gefühle waren, haben wir als gemeinnütziger Verein unzählige Erfolge erreicht und Anerkennungen erhalten. Die Medienberichte aus dieser Zeit füllen einen ganzen Aktenordner.

Die am 2. Juli 2015 gestartete Petition brachte bis Ende 2015 deutlich über 10.000
Unterschriften, davon knapp 8.000 aus Rostock selbst. Nach der Anerkennung der Mühlendammschleuse im August 2015 als Denkmal durch die Obere Denkmalbehörde stieg das öffentliche Interesse. Mit der Vereinsgründung begannen dann auch teilweise heftige Auseinandersetzungen in der Bürgerschaft um eine Zuschüttung der Schleuse, die damals von Stadt-, Landes- und Bundesverwaltungen bevorzugt wurden.

Als Verein hatten wir ein umfassendes Nutzungskonzept für die Schleuse
und das umliegende Gelände entwickelt, das wir zu einem touristischen Highlight
entwickeln wollten. Dazu haben uns auch Zustimmungen aus der Rostocker Bürgerschaft erreicht.

Ein Meilenstein in unserer Erfolgsgeschichte war der Ortstermin des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages, deren Mitglieder sich nach dem Besuch eindeutig für den Erhalt der Mühlendammschleuse aussprachen. Eine starke Unterstützung zeigten die Rostockerinnen und Rostocker durch ihre Teilnahme an unseren Schleusenfesten, die viermal zum Tag des offenen Denkmals auf dem Schleusengelände stattfanden und an denen jeweils über 1.000 Personen teilnahmen. Auch die finanzielle Unterstützung durch Spenden durch Rostocker Unternehmen war eine große Hilfe. Dafür sind wir noch heute dankbar.

Im Juni 2018 erschien eine von der Firma Inros Lackner verfasste Machbarkeitsstudie mit Varianten zum Erhalt bzw. Neubau einer Schleuse. Die Ergebnisse entsprachen leider nicht unseren Vorstellungen. Im Januar 2019 kam es nach einer Sturmflut der Ostsee zu einem Überlaufen des Schleusenbeckens. Im Herbst 2019 erfolgten dann die Trockenlegung des Schleusenbeckens und eine Bauwerksprüfung. Im Auftrag der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wurden das Schleusenbecken verfüllt und eine Deichanlage errichtet.

Auch die jahrelang diskutierte Übernahme der Schleuse und eines Teils der Bundeswasserstraße durch die Kommune kam nicht zustande. Damit sanken alle unsere Hoffnungen auf eine Instandsetzung und Wiedereröffnung. Seit der Schließung 2011 ist nicht nur der Schiffsverkehr zum Erliegen gekommen, der vor Schließung der Schleuse immer noch mit rund 1500 Schleusungen mit rund 3500 Booten pro Jahr belegt ist. Ein ebenso großes Problem darin, dass der lebendige Fluss abgeschnitten wurde und dadurch Flora und Fauna beeinträchtigt ist.

Unser Verein hat sich nun aufgelöst, denn es gibt für uns nichts mehr zu tun. Als sichtbares Zeichen wurde am 26. Juli 2025 direkt am Schleusenbecken eine große Informationstafel aufgestellt, die Fakten über das Denkmal Mühlendammschleuse informiert. Auch die Internetseite www.muehlendammschleuse.de dokumentiert die Schleuse und den Kampf.

Uns bleibt die Hoffnung, dass sich zukünftige Generationen erneut mit dem
Thema Denkmalschutz und dem Tourismus auf der Warnow auseinandersetzen und
dies neu bewerten.

Detlef Krause